Wir sind die 99 %

Soziale Ungleichheit ist ein Problem, welches sich innerhalb der vergangenen Jahre sehr auf eine internationale Ebene verlagert hat, da die Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft wesentlich langsamer gewachsen ist, als zwischen den Gesellschaften verschiedener Nationen.

Doch trotzdem darf man dabei eines nicht vernachlässigen: Die größte Ansammlung von Kapital befindet sich nicht in den europäischen und nordamerikanischen Gesellschaften als Ganzes. Natürlich geht es den Menschen hier in Deutschland sehr gut. Deshalb werden die Menschen hier und in anderen „reichen“ Ländern immer nervös, wenn man davon spricht, die Armut durch einen Ausgleich der internationalen Vermögen zu bekämpfen. Denn sie haben Angst, dass unser Lebensstandard hier angegriffen wird.

Niemals vergessen darf man dabei, dass nicht der Lebensstandard des Mittelstandes angegriffen wird, nicht einmal der der oberen zehn Prozent. Es ist 1 % der Gesellschaft aus der gesamten Welt, dessen Lebensstandard angegangen werden könnte, denn dieses 1 % der Gesellschaft besitzt so viel Kapital wie alle 99 %, die übrig bleiben.

Egal ob es sich um den Afrikaner, den Asiaten oder den Durchschnitts-Europäer handelt, zu diesen 99 % zählen sie alle.

Eine Änderung des Lebensstandards der großen Masse wäre also gar nicht nötig, um eine gerechte, nahezu utopische Welt zu schaffen. Die Kapitalansammlungen auf Managerkonten, die anscheinend mittlerweile schon so viel Langeweile haben, dass sich einer von ihnen in Amerika, scheinbar nur zum Spaß, um den Präsidentschaftstitel bewirbt, denn aus politischer Überzeugung kandidiert Donald Trump hoffentlich nicht, vielmehr, weil er zu viel Zeit hat. Nötig ist eine Änderung des Lebensstandards auch nicht aus dem einfachen Grund, dass es in der heutigen Gesellschaft keinen objektiven Mangel mehr gibt:

Lebensmittel für 12 Milliarden

Die Produktion hat heute Ausmaße angenommen, von denen man 12 Milliarden Menschen ernähren könnte. Eine Verteilung auf 7 scheint uns schon heute nicht zu gelingen. Wir müssten nicht einmal weniger essen, nur weniger wegschmeißen.

In Indien werden in Lagerhallen viele Tonnen Getreide dem Schimmel überlassen, während auf der anderen Seite der Straße Menschen verhungern und das aus dem einfachen Grund, dass der Marktpreis nicht hoch genug war. Bevor man zu billig verkauft, verkauft man lieber gar nicht. Handel mit den Preisen der Grundnahrungsmittel, führt zu solchen Szenarien und könnte einfach von demokratischen Staaten verhindert werden.

Diese Verteilung wird weitergehen und diejenigen, die zu den hinteren 99 % zählen, werden das nicht auf sich sitzen lassen. Menschen, die nichts zu verlieren haben, tun alles dafür, um dort hinzukommen, wo das Leben schöner ist. Das zeigen die zunehmenden Wirtschaftsflüchtlinge. Doch wer kann ihnen das verdenken? Und wir müssen verstehen, dass es uns heute möglich ist eine gerechtere Verteilung zu schaffen. Die Unternehmen, durch die der Manager-Kapitalismus geschaffen wurde, durch die dieses 1 % geschaffen wurde, kommen größtenteils aus demokratisch regierten Staaten, in denen es nicht die Größe des Hedgefonds ist, der definiert wie viel man zu sagen hat, sondern die Größe der Masse.  So sollte es zumindest sein.

Stehen die 99 % auf und vereinigen sich zu einer globalen Zivilgesellschaft, ist es möglich, eine Utopie Realität werden zu lassen. Armut kann global verringert werden und verbessert sich die wirtschaftliche Situation vor Ort, nehmen die Flüchtlingsströme ab.

Die Entwicklung zeigt bereits, dass sich die Bevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent in den Jahren bis 2050 noch sehr vergrößern wird, in Europa wird sie zurückgehen und in Nordamerika wird sie gleich bleiben. Man spricht von einer Überbevölkerung des Planeten, doch versucht man trotzdem, die Geburtenzahlen in Ländern wie Deutschland und Frankreich zu erhöhen.

Migration: Antwort auf den demographischen Wandel?

Statt die Menschen in einer Gesellschaft nach ihren Geburtsorten zu sortieren, warum nicht anfangen, sie einfach als Menschen zu sehen, als Mitmenschen? Warum nicht einen Zusammenschluss wagen und gegen das 1 % aufstehen, durch das die ungleiche Vorteilung vorangetrieben wird. Alle Probleme auf der Welt lassen sich lösen mit Mut und einem Hauch von Idealismus. Der Idealismus wird uns bereits von Vordenkern wie Thomas Piketty zur Verfügung gestellt: Eine globale und progressive Kapitalsteuer, mehr als wirtschaftliche Fachbegriffe, die nicht näher erläutert werden sollen. Es gibt Auswege, die allerdings auf der Verständigung basieren, nicht auf der Abschottung. Wenn die Wirtschaft wieder den Menschen hilft und sie nicht gegen einander aufbringt, dann kann das 21. Jahrhundert eines werden, an das man sich in der Zukunft im Guten erinnern wird, nicht wie das Letzte.

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