Ruhe in der Schulpolitik!

In allen deutschen Bundesländern hat das neue Schuljahr nach den Sommerferien begonnen. Für manche das erste, für manche das letzte Jahr. Wie diese Schüler ihre Schulzeit später beurteilen werden, wissen wir nicht. Die meisten Schulabsolventen dürften jedoch insgesamt positiv zurückblicken. Es gab deutlich mehr Freizeit, als im Job, das Leben hatte man vor sich.

Momentan bezweifeln aber viele, dass die aktuelle Schülergeneration nach ihrer Schulzeit ebenso denken wird. Dabei sprechen wir von besorgten Eltern und Politikern, die die aktuelle Form des Gymnasiums verurteilen. G8 heißt das Schreckgespenst für viele Eltern und Schüler.

Zur Erklärung: G8 meint die Verkürzung der Schulzeit auf dem Gymnasium. Genauer gesagt wird ein Jahr der Mittelstufe entfernt. Dieser Schritt wurde vor etwa zehn Jahren in einigen Bundesländern vollzogen. Die Schulzeit eines Abiturienten auf dem Gymnasium wurde also von neun auf acht Jahre verkürzt. Heutzutage erwägt man jedoch einen Schritt zurückzugehen. Niedersachsen hat den Schritt vollzogen, in Nordrhein-Westfalen schwankt man noch, schafft jedoch Ausweichmodelle.

Die Gründe sind wenn man die Schulzeit verkürzt plausibel. Klar, der Gedankengang ist logisch, verkürzt man die Schulzeit, wird es härter den Stoff durchzukriegen. Die Kritiker des G8-Modells sagen, die Schüler kommen nicht mehr mit, sie hocken lange in der Schule, Hobbies müssen aufgegeben werden.

Die Medien spielen hier eine entscheidende Rolle. Geschichten von Kindern, die aufgrund des Schulstresses einen Burn-out erleiden machen die Runde. Man muss aber beachten, dass es sich hier um einzelne Schicksale unter Millionen von Schülern handelt.

Vor allem die Eltern führen diese Diskussion. In letzter Zeit ist zu beobachten, dass Eltern, wenn es um ihre Kinder geht immer besorgter werden. Am liebsten fahren sie diese bis vor das Klassenzimmer, damit ihnen bloß nichts passiert. Wenn es in der Schule nicht läuft, hinterfragt man seine Erziehung selbst oder es muss ein Sündenbock her.

G8. Herzlose Bürokraten zerstören dem Kind seine Jugend. Beginnt einmal dieser Hass auf G8, dann werden sich die schulischen Leistungen des Kindes sich nicht verbessern, denn dann geht der Glaube daran verloren.

Ein Grund dafür sind die Empfehlungen der Grundschulen für die weitere Laufbahn des Schülers. Diese Empfehlungen sind seit einigen Jahren nicht mehr verbindlich, was dazu führt, dass Eltern ihre Kinder überschätzen oder mit der Hoffnung, dass es besser wird, auf das Gymnasium schicken. Das Gymnasium ist nichts für jeden Schüler, was keine Schande ist. Auch über den Umweg Realschule oder Gesamtschule kann man mit einem Jahr länger Abitur machen. Und wenn nicht, dann eben nicht.

So hart es nun klingt, G8 ist nun nach einigen Jahren einigermaßen gefestigt. Ja, der Wechsel war chaotisch, aber eine Rückkehr zu G9 wäre noch chaotischer.

G8 macht Schüler nicht schlechter

Betrachten wir jetzt mal ganz rational die Zahlen zu G8. Man muss festhalten, dass die Abiturnoten in den letzten Jahren besser geworden sind. Es gibt mehr Abiturienten und die Noten werden in der Breite sowie in der Spitze kontinuierlich besser. Also verschlechtert G8 die Noten nicht. Der eindeutigste Indikator für Schulleistungen.

Worüber sich Kritiker des G8-Modells beschweren, ist die Länge des Schultages. Darauf muss man eingehen. In der Unterstufe und Mittelstufe, heißt Klassen fünf bis neun, dürfen Schüler nicht bis in den späten Nachmittag in der Schule sitzen. So eine Belastung sollte man Kindern nicht zumuten. Freizeit am Nachmittag muss gewährleistet werden in diesem Alter. Erfahrungen zeigen jedoch, dass ein strukturierter Stundenplan mit etwa 25 Wochenstunden von ungefähr 8 bis 14 Uhr für den Lernstoff ausreicht. So wird es an vielen Schulen umgesetzt und so sollte es sein.

Wichtig hierbei sind 60-minütige Schulstunden. Das bedeutet weniger Hausaufgaben für die Schüler, durch eine Verringerung der Anzahl der unterschiedlichen Stunden pro Woche und weniger Bücher zu tragen.

In der Oberstufe kommen die Schüler nicht darum herum etwas mehr Zeit in der Schule zu verbringen und zu investieren, obwohl die Wochenstunden nicht sonderlich steigen. Wenn ein Schüler vernünftig wählt, kommt er in der 10. Klasse auf etwa 27 Wochenstunden und in 11 bzw. 12. auf 25,5 Stunden. Beachtet werden müssen hier Freistunden, die den Tag länger machen und mehr Zeit zum Lernen für Klausuren. Trotzdem sind die Wochenstunden wirklich in Ordnung und geben genug Freiraum. Zum Vergleich kommt ein durchschnittlicher Arbeitnehmer ohne Überstunden auf 40 Wochenstunden.

Hausaufgaben müssen dennoch flexibel gestaltet werden. Das heißt in Klausurenphasen eher weniger oder man verlängert die Frist bei größeren Aufgaben.

Die Probleme liegen woanders

In der Schule läuft bei weitem nicht alles perfekt, doch mit G9 würde es auch nicht besser werden. Die Lehrpläne wurden optimiert, sodass der Stoff locker durchgebracht werden kann. Das Problem hier ist nur, dass so viele Stunden ausfallen und der Lehrermangel. Außerdem muss die technische Ausstattung dringendst verbessert werden. Schülern sollten während des Unterrichts moderne Notebooks oder Tablets zur Verfügung stehen, um vernünftig zu arbeiten.

Die Diskussion um G8 bringt nur Stress und Unsicherheit. Die Leidtragenden sind hier die Schüler und Lehrer. Man sollte seitens der Politik die Lehrer einfach mal in Ruhe arbeiten lassen, um das System zu optimieren, denn ständige Systemwechsel führen nicht zum Erfolg.

G8 bringt bei aller Kritik auch Vorteile. Durch einen frühen Schulabschluss bleibt den Schülern Zeit für ein Auslandsjahr oder ein FSJ zur Überbrückung der Zeit bis um Ausbildungs- oder Studienbeginn. Doch die Diskussion wird uns wohl noch erhalten bleiben, denn 2017 wird zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen gewählt, sodass nicht realisierbare Ideen wie eine flexible Oberstufe entstehen.