Der Spaßvogel vom Bosporus

Demokratie. Pressefreit. Erdogan – welches Wort passt nicht in die Reihe?

Wir alle kennen das Spiel, bei dem man eine Reihe von Wörtern genannt bekommt und das Wort finden muss, das nicht in die Reihe passt. Meistens ist es etwas schwieriger, als in diesem Beispiel. Demokratie und Pressefreiheit vertragen sich ziemlich gut miteinander. Erdogan verträgt sich mit keinem der beiden Begriffe sonderlich gut.

Er scheint geradezu auf Kriegsfuß zu stehen, mit Demokratie und Pressefreiheit, dabei sollte man meinen, hat er mit den Kurden schon genug zu tun, die er als Staatsfeinde deklariert. Jeder Kurde ist natürlich Mitglied der PKK und an jedem Anschlag ist die PKK schuld. Nicht einmal den kurdischen Abgeordneten kann man vertrauen, weshalb Erdogan auch jedes Mal Neuwahlen ausrufen lässt, wenn die kurdische Partei wieder an Stimmen gewonnen hat.

Aber das muss man ihm lassen. Erdogan hat das Prinzip der Demokratie verstanden, wie kein Zweiter: Die macht nur Spaß, wenn alle für einen Stimmen.

Stimmen die Leute nicht für einen, dann ist das Ganze immer irgendwie deprimierend und man überlegt sich das mit der Demokratie noch einmal. Auch die ganzen Rücksprachen, die man mit Parlamenten und so halten muss sind unglaublich unnötig. Erdogan zieht sein Ding einfach durch, wer braucht schon Parlamente.

So viel erst einmal zum Thema Demokratie. Was die Pressefreiheit angeht, hat Erdogan in der Türkei schon ordentlich aufgeräumt. Jeder, der etwas gegen ihn gesagt hat, hat gelogen und dass ist ein Verbrechen. Deshalb gibt es nur noch staatstreue Zeitungen in der Türkei, doch nun stellt sich Erdogan ein ganz anderes Problem. Ihm wird langweilig. Und immer der EU auf der Nase herumzutanzen, und sich Milliarden zahlen zu lassen, um davon Flüchtlingszelte aufbauen zu lassen, klingt vielleicht amüsant, doch ist auch das keine Tagesfüllende Beschäftigung. Die EU scheint ihren Biss verloren zu haben und jetzt hat Erdogan niemanden mehr zum Spielen.

Doch zum Glück gibt es noch andere Länder mit Pressefreiheit. Deutschland zum Beispiel. Hier werden Videos über ihn gedreht und Gedichte geschrieben. So nett das auch klingt, Erdogan scheint das nicht zu gefallen. Herr Böhmermann bekommt das gerade am Leibe zu spüren, dabei hat er bestimmt viel Arbeit in dieses Gedicht gesteckt. Was also tun?

Unser Spaßvogel vom Bosporus stellt Strafanzeige gegen Jan Böhmermann, versucht alle Satirevideos gegen ihn zu verbieten und die deutsche Pressefreiheit einzuschränken.

Doch scheint ihm tatsächlich nicht bewusst zu sein, dass er das Satirevideo erst dadurch bekannt gemacht hat, dass er dagegen vorgegangen ist. Das ist das Schöne an Satire, sie wird dadurch bekannt, dass sie dich stört.

Aber weil unser Spaßvogel vom Bosporus ein Optimist ist, verhandelt er trotzdem fleißig weiter über einen EU-Beitritt. Die Pressefreiheit in Deutschland lässt sich ja auch viel leichter einschränken, wenn man sich auf europäischer Ebene miteinander unterhält.

Doch was will man machen. Wenn jemand demokratisch gewählt wird, dann ist er legitim im Amt. An dieser Stelle scheint die Frage allerdings berechtigt, ob wir Menschen bereit und fähig sind, selbstbestimmt Politik zu machen oder ob wir noch ein paar Jahrhunderte warten sollten.

Fest steht: Solange unser Spaßvogel noch in seinem Nest sitzt, ist es mit dem Lachen erst einmal vorbei im der wunderschönen Region um den Bosporus. Nachher lacht man über den falschen Witz.

Schreibe einen Kommentar