AfD verliert – Deutschland gewinnt

Egal ob man RTL fragt oder die Bild. In den Umfragen von beiden verliert die AfD an Punkten und Petry an Sympathie.
Letzteres liegt wohl größtenteils daran, dass Horst Seehofer in ihrer eigenen Partei beliebter ist als sie selbst.
Angeführt von Frank-Walter Steinmeier (SPD), Winfried Kretschmann (die Grünen), Wolfgang Schäuble (CDU) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde vom Forsa-Institut im Auftrag des „Stern“-Magazins eine Umfrage zur Beliebtheit der aktuellen Politiker vorgenommen.
Frauke Petry bildet in diesem Ranking ein nur sehr schwach leuchtendes Schlusslicht, da nicht einmal ihre eigenen Leute ihr viele Punkte gönnen. In einer Partei, in der man sich gegen alles ausspricht, spricht man sich halt irgendwann auch gegen seine Chefin aus.

Diese Entwicklung sollte den etablierten Parteien jetzt allerdings kein Gefühl von Überlegenheit oder Triumpf vermitteln, sondern sie vielmehr dazu motivieren, weiter Politik für die Menschen mit den Menschen zu machen.
Am Ende bringen alle Verhandlungen und alle Verträge dem Wähler nichts, wenn sie nicht seine Situation verbessern. Und das ist immerhin das Ziel des Staates.
Steuern werden gezahlt, damit Straßen und Häuser gebaut werden können, damit es öffentliche Verkehrsmittel gibt und kostenlose Bildungseinrichtungen.

Das die AfD keine derartige Politik betreibt, die den Menschen hilft, wurde immer deutlicher, vor allem durch das Parteiprogramm, dass von der Partei erst veröffentlicht, ja sogar aufgestellt wurde, nachdem man schon lange große Reden geschwungen hatte.
Irgendwann konnte die Partei allerdings nicht mehr an einem Tag dies behaupten und am nächsten Tag was anderes. Irgendwann, das war klar, musste sie zeigen, was ihre wahren Ziele sind.
Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, die AfD will das Deutschland der 50er Jahre zurück.
Familienpolitik heißt nicht, dass die Emanzipation der Frauen vorangetrieben wird, dass Möglichkeiten geschaffen werden, um Familie und Beruf miteinander zu vereinen, für Männer wie für Frauen; für die AfD heißt Familienpolitik, dass die Frau dazu motiviert wird, zu Hause zu bleiben, Kinder zu kriegen und zu kochen. Die „Herdprämie“ nennt man es in AfD-Kreisen, wenn gegen über 100 Jahre Emanzipation vorgegangen wird.
Wie sehr die Partei hinter ihren eigenen Überzeugungen steht, sieht man an ihrer weiblichen Chefin. Eine Frau, die sich dafür einsetzt, dass Frauen zu Hause bleiben sollen?
Die vier Kernbereiche der AfD sollen die innere und äußere Sicherheit, die Justiz, die Auswärtigen Beziehungen und die Finanzverwaltung sein.
Vielleicht ist ja einem der AfD-Wähler aufgefallen, dass bei diesen Bereichen des Staates der Sozialstaat nicht vorkommt. Um finanzielle Einsparungen zu machen, muss man natürlich auch an anderer Stelle Einsparungen machen.
Das aber die Versicherungen, die freie Bildung und die Sozialhilfen doch demokratische Errungenschaften sind, die den AfD-Wählern gefallen, wurde bei Aufstellen des Parteiprogramms wohl vernachlässigt.
Dafür aber die innere und äußere Sicherheit. Man merkt es heute fast so sehr wie vor dem ersten Weltkrieg: Die Situation in Europa ist gespannt. Die europäischen Staaten machen ja seit es die Europäische Union gibt nur noch Politik gegeneinander, statt miteinander.
Einen echten Grund für eine Bedrohung der Sicherheit Deutschlands ist nicht gegeben. Deutschland ist eingebunden in die EU, die NATO, die OECD und die UNO. Da dies den Menschen nun auffällt, da deutlich wird, dass die Regierung Deutschland durch die Flüchtlingskrise, die sich schon wieder beruhigt, hindurchgeführt hat, ohne, dass es irgendwelche großen Opfer zu bringen galt, werden der AfD natürlich Punkte genommen, über die die Menschen sich ärgern, wodurch wiederum die Motivation der Menschen verloren geht, die AfD zu wählen.

Vor allem aber die kürzlich getätigten Äußerungen über den Islam, der laut AfD-Vize von Storch nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Tatsache ist, dass sich durch solche Äußerungen langsam die Frage stellen muss, inwieweit die AfD selber noch mit dem Grundgesetz vereinbar ist, oder ob langsam eine Grenze überschritten wird.

Die Glaubensfreiheit hat in Deutschland eine sehr zweiseitige Geschichte und wurde jedes Mal unter vielen Opfern erkämpft und verteidigt. Das die Äußerungen der AfD nun den Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, zu klaren Statements gegen die AfD gedrängt haben, sollte uns allen zu denken geben. Durch diese Äußerungen fühlt sich eine gesamte religiöse Gruppe in Deutschland „existentiell“ bedroht, wie Mazyek sagt. Das hat es noch nie in einem demokratischen Deutschland gegeben.

Die Begründung seitens der AfD, dass sich der Islam nicht mit dem Grundgesetz vereinbaren lasse, gilt es außerdem zu widerlegen. Der Islam hat, wie jede andere Religion in Deutschland, das Recht auf Glaubensfreiheit. Das der Islam immer mit einer Übernahme des Staates einhergehe, ist eine bloße Behauptung aufgestellt von der AfD, Menschen, die sich vermutlich noch niemals mit dem Islam beschäftigt haben. Im Vergleich zum Islam ist das Christentum durch die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) im Staat repräsentiert:

Übernimmt die Kirche den Staat?

Da sich niemand diese Frage stellt, ist es vollkommen überflüssig, sich dieselbe Frage nach dem Islam zu stellen. Eine Einschränkung jeder Religion würde einen Verlust demokratischer Grundrechte bedeuten, den keine Partei und kein Mensch in Deutschland hinnehmen kann: Gerade die AfD, die sich in ihrem Parteiprogramm mehrfach als demokratisch bezeichnet, sollte doch die Glaubensfreiheit des Grundgesetzes achten.

Schön zu sehen ist, wie die Kritikwelle gegen die Äußerungen der AfD über den Islam den Beweis dafür liefert, dass sie nicht aufgrund ihrer Anti-Islam Politik in die Landtage einziehen konnte, sondern lediglich deshalb, weil manche Menschen den etablierten Parteien eins Auswischen wollten. Das bereuen heute nun viele von ihnen.

Egal ob es das Parteiprogramm ist oder die Politik dieser Partei, es wird deutlich, dass die AfD an Punkten verliert und auch weiter verlieren wird.

Deutschland auf der anderen Seite scheint zu gewinnen. Es kommt Ordnung in den Zuzug von Flüchtlingen. Die Aufnahme und Integration geht schneller von statten und der Konflikt in Syrien beruhigt sich auch langsam. Für 2017 wurden bereits freie Wahlen angekündigt. Mit einem freu gewählten Parlament kann die Anti-IS-Allianz den Demokratisierungs- und Wiederaufbauprozess vorantreiben und den Islamischen Staat weiter zurückdrängen.

Manchmal lesen sich Nachrichten einfach schöner, wenn man über das Positive schreibt, statt über das Negative.

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